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Unsinn in der Wissenschaft, zweiter Akt

17.1.2017 - Unterhaltung

Wie in Kapitel 1 zu sehen war, wurden in den vorliegenden Beispielen aus dem Bereich der Mathematik die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon seit langem bekannten Ergebnisse der Öffentlichkeit vorenthalten.

Im Falle der Physik verhält es sich da etwas anders …

Auch wenn ich normalerweise ein Verfechter des DRY-Prinzips bin, hier noch einmal der Hinweis auf den Charakter dieser Serie:

Die in dieser Serie aufgestellten Behauptungen sind nicht ernstgemeint! Dementsprechend haben die aufgeführten „Beweise” auch allesamt irgendwelche Schwachstellen, und ihre Schritte sollten (außer natürlich zum Spaß) nirgendwo einfach benutzt werden!

Kaptiel 2: Die Physik

Laut physikalischen Formelsammlungen gelten folgende Gesetzte:

(1)   \( s=\frac{1}{2}\cdot a\cdot t^2 \),
(2)   \( v=a\cdot t \)   und
(3)   \( s=v\cdot t \) ,

wobei

\( s\):   Strecke,
\( t\):   Zeit,
\( v\):   Geschwindigkeit und
\( a\):   Beschleunigung

bedeutet.

Daraus läßt sich nun folgern:

(4)   \( t=\frac{s}{v} \)   aus (3)
(5)   \( s=\frac{1}{2}\cdot a\cdot (\frac{s}{v})^2 \)   aus (1) und (4)
(6)   \( v^2=\frac{1}{2}\cdot a\cdot s \)   aus (5)
(7)   \( t=\frac{v}{a} \)   aus (2)
(8)   \( s=\frac{1}{2}\cdot a\cdot (\frac{v}{a})^2 \)   aus (1) und (7)
(9)   \( v^2=2\cdot a\cdot s \)   aus (8)
(10)   \( 2\cdot a\cdot s=\frac{1}{2}\cdot a\cdot s \)   aus (6) und (9)

Hieraus folgert nun:

  1. Der Mathematiker:
    (11)   \( 2=\frac{1}{2} \)   aus (10) für \( a\ne 0\ne s\)
    Damit ist ja alles in Ordnung, denn das Prinzip hatten wir ja schon mit Satz 1.3 bzw. Korollar 1.4 kennengelernt.
  2. Der Physiker:
    Bei konstanter Beschleunigung \(a\) lassen sich für ein beliebiges Objekt \(\Omega\) sein Ort \(s\) und seine Ge­schwin­dig­keit \(v\) nicht gleichzeitig bestimmen. (Heisenberg’sche Unschärferelation) Das bedeutet insbesonere, daß die „Radarfallen” der Polizei nicht funktionieren können1, da mit dem Photo offensichtlich der Ort des Fahrzeugs bestimmt werden kann und somit der Versuch, seine Ge­schwin­dig­keit zu ermitteln, scheitern muß.
  3. Der Logiker:
    Mindestens einer der Sätze (1) bis (3) ist falsch.
  4. Der Theologe:
    Gottes Wille geschehe…

Da man Mathematikern ohnehin nicht trauen darf2, die Lösung des Logikers der Tatsache wider­spricht, daß man die Formeln (1) bis (3) experimentell belegen kann und die theologische Sicht der Dinge keine eigentliche Erklärung bereitstellt, bleibt wohl nur die Möglichkeit, daß der Physiker Recht hat. Im Gegensatz zu den Mathematikern waren die Physiker also nicht so unklug (oder welt­fremd?), die Ergebnisse ihrer Forschungen zu verschleiern: Die „Heisenberg’sche Un­schärfe­re­la­tion” ist durchaus kein Geheimnis und in allen einschlägigen Physik­büchern zu finden. Es scheint nur niemand auf die Idee zu kommen, die logischen Konsequenzen der gefundenen Natur­gesetze bis ins Detail nachzurechnen. Hier bewahrheitet sich, daß manchmal die beste Methode, etwas zu verheimlichen, darin besteht, es zu veröffentlichen.


  1. Man sollte unbedingt bremsen (oder beschleunigen), sobald man das Gerät sieht, damit es mit Sicherheit eine Be­schleu­ni­gung gibt! ↩︎

  2. Wie wir schon im ersten Kapitel gesehen haben, und auch Augustinus schon wußte: „Der gute Christ soll sich hüten vor den Mathe­matikern und all denen, die leere Voraussagen zu machen pflegen, schon gar dann, wenn diese Vorhersagen zutreffen”. (Allerdings war seine Begründung eine andere: „Es besteht nämlich die Gefahr, daß die Mathe­ma­tiker mit dem Teufel im Bunde den Geist trüben und in die Bande der Hölle verstricken.”) ↩︎