Irgendwann zwischen Sommer 1981 und Sommer 1982 hatten wir als Hausaufgabe einen Aufsatz zu schreiben, und ich meine mich vage erinnern zu können, es sollte eine Erörterung sein, aber das Thema durften wir frei wählen. Obwohl das nach einer Erleichterung klingt, empfand ich es eher als eine zusätzliche Aufgabe.
Mein eigentliches Problem bestand allerdings darin, daß ich mich in der Schule nicht gerade durch besonderen Fleiß ausgezeichnet habe, und nachdem ich in den Wochen zuvor schon das eine oder und andere Mal durch „Vergeßlichkeit” aufgefallen war, erschien es mir äußerst wahrscheinlich, dieses Mal mein Ergebnis vortragen zu müssen. „Auf-Lücke-setzen” war also keine Option, aber ich hatte keine Idee für ein Thema — immerhin ging es um eine Note, und darin könnte doch ein Ansatz liegen…
Die Notengebung
Das moderne Schulsystem bringt vielerlei Probleme mit sich, und so manch ein von einer schlechten Zensur psychisch verunsicherter und demoralisierter Schüler mag sich bereits gefragt haben, wozu diese doch so frustrierende, zu höchster Leistung zwingende und somit Streß stimulierende Beurteilung in Form einer teilweise geradezu willkürlichen Notengebung, welche zu diesem Übel auch noch mit dem Nachteil der möglichen Überbewertung negativ erscheinender Zensuren, was zum Beispiel bei der Bewertung des arithmetischen Mittels des erreichten Leistungsstandes (häufig auch „Notendurchschnitt” genannt) zu Tage treten kann, behaftet ist, überhaupt dient, worauf natürlich zu erwidern ist, daß die Belohnung überraschend positiver Lernerfolge in Form entsprechender Noten ebenso wie auch das Bestreben der Schüler untereinander, die Erfolge beispielsweise des Tischnachbarn in den Schatten zu stellen, was selbstverständlich nicht in einem Kleinkrieg gipfeln darf, als Ansporn dienen kann, woraus sich meinen Überlegungen zufolge, besonders natürlich unter Berücksichtigung der Tatsache, daß irgendeine Art der Begutachtung der individuellen Fähigkeiten heutzutage auf jeden Fall notwendig ist, da ja schließlich ausbildenden Firmen, weiterbildenden Schulen und eben all den Institutionen, Organisationen und dergleichen mehr, die aus einer großen Anzahl an Bewerbern eine kleine Gruppe Auserwählter selektieren müssen und zu diesem Zweck aus praktischen Gründen nicht alle Anwärter einem entsprechenden Eignungstest unterziehen können, die Möglichkeit gegeben werden muß, nur die aller Wahrscheinlichkeit nach am ehesten geeigneten Aspiranten gemäß den gestellten Anforderungen testen zu müssen, wobei Kriterien wie Haar-, Augen-, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder Ähnliches aus heutiger Sicht in den meisten Fällen weitgehend ungeeignet erscheinen, die gewünschten Fähigkeiten zu signalisieren, ergibt, daß das derzeit praktizierte System der Notengebung und -auslegung zwar keinesfalls als ideal zu bezeichnen ist, daß jedoch eine Notengebung als solche unerläßlich ist.
Am Ende war mein Lehrer übrigens der Meinung, das sei ein gutes Beispiel gewesen, wie es nicht hätte sein sollen.
Nun ja, ut desint vires, tamen est laudanda voluntas1.
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lat.: Wenn die Kräfte nicht reichen, so ist doch der Wille zu loben. ↩︎
DtlfMhl